Im Zweifelsfall gegen den Kläger
Eigentlich wollte Familie Tursun die Mörder ihres Sohnes vor Gericht bringen: Ihr 22jähriger Sohn Baran Tursun, Unistudent in Izmir (Westtürkei), war eines Nachts von Polizisten durch einen Kopfschuss erschossen worden. Die Familie kämpft für juristische Gerechtigkeit – doch nun steht sie selber vor Gericht. Wegen eines Paragraphen, der die Beleidigung türkischer Behörden unter Strafe stellt.
Unistudent Baran Tursun: Tod durch Kopfschuss


Kurz nach dem Tod ihres Sohnes eröffnet die Familie mithilfe des örtlichen Menschenrechtsvereins eine Anklage. Die angeklagten Polizisten, die für den Tod Barans verantwortlich gemacht werden, begründen den Einsatz ihrer Schusswaffe damit, dass sie geglaubt hätten, der flüchtende Autolenker sei bewaffnet gewesen. Doch im Familienauto der Tursuns wird am Tatort ausser der in Blut getränkten Leiche des 22jährigen nichts anderes gefunden.
Der Vater ist der Überzeugung, dass die Polizisten fahrlässig gehandelt haben. Eine vom Parlament entschiedene Reform erlaubte es Polizisten, ab Juli 2007 bei Fluchtversuchen auch Schusswaffen einzusetzen - und tatsächlich kam es in einzelnen Fällen zu Machtsmissbrauch.
War das der Grund, weshalb Baran sterben musste?
Demonstration gegen Machtsmissbrauch der Polizei
Vor Gericht hat Barans Familie bisher wenig Erfolg. Als sie dies einsieht, beschliesst sie sich Ende April 2008 eine Pressemitteilung zu halten. Der örtliche Menschenrechtsverein unterstützt sie dabei.
Während der Presseerklärung drückt die Familie einmal mehr ihre Trauer um ihren getöteten Sohn aus. Weiter beschwert sie sich über den von ihnen eröffneten Prozess, der ihrer Meinung nach unfair verliefe. Die Familie zeigt sich von den Behörden enttäuscht. Aus purer Verzweiflung spricht er den folgenden Satz:
„Der Justiz kann man nicht trauen.“
Nun steht die Familie (Vater, Mutter und Tochter) selber vor Gericht. Die Anklage beruht sich auf den umstrittenen Gummiparagraphen 301 und lautet „Beleidigung der türkischen Nation, der türkischen Republik und der Institutionen und Organe des Staates“.
Auch gegen den örtlichen Menschenrechtsverein wurde eine Klage eingereicht.
Der Prozess gegen die Polizisten dauert noch an. Ob auch die Trauerfamilie und der Menschenrechtsverein verurteilt werden, steht noch offen.
Quellen:
http://www.cnnturk.com/
http://www.librenews.eu/


2 Kommentare:
Silav,
dein Blog ist wirklich super und deine Artikel haben Tageszeitungs-Niveau. Es ist immer wieder eine Freude deine satirischen und kritischen Artikel zu lesen. Eine kleine Kritik habe ich aber noch. Leider hast du kein Gästebuch und man kann auch nicht anders Kontakt zu dir herstellen. Auf deine Arbeit bin ich durch das kurdische Internetportal "www.kurdmania.com" aufmerksam geworden. Dort hat man dir übrigens einen Platz ganz oben auf der Startseite gewidmet. Es wäre sehr von Vorteil, wenn ein politisches "Schlitzohr" wie du sich ebenfalls an solchen Plattformen beteiligen würden, um die Diskussionen interessanter zu gestalten. Jedenfalls hast du in mir nun einen weiteren Stammleser gefunden und ich hoffe auf weitere interessante Artikel deinerseits. Und wie gesagt, es wäre nett, dich auf Kurdmania wiederzutreffen.
Slav Serdar,
gelek spas, ich freue mich, dass meine Artikel dir gefallen. Diesen Blog führe ich aus Interesse an die Kurdenfrage: ich dene, dass man Politiker viel besser durchschauen kann, wenn man sie mal aus einer anderen Perspektive betrachtet: durch Satire zum Beispiel.
Meine Fotomontagen sind zwar vom Technischen her etwas eifach, aber so kann man die Botschaft recht gut rüberbringen.
In letzter Zeit habe ich etwas ernstere Einträge gemacht, aber ich erstelle gerne weitere Fotomontagen zu aktuellen Diskussionen in der Türkei. Natürlich dürft ihr die Bilder gerne für Kurdmania.com gebrauchen.
Ich werde versuchen, mich aktiv auf der Kurdmania-Plattform zu betätigen.
Danke für den coolen Beitrag über meinen Blog! :)
Serkeftin
Ferrus
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